Fahrerflucht - was ist das genau?

Fahrerflucht - allgemeine Informationen

Mit bestimmten Begriffen wie der "Fahrerflucht" können auch juristisch nicht geschulte Menschen sogleich etwas verbinden. Aber was - wenn überhaupt - ist der Unterschied zur "Unfallflucht" und was ist verboten oder umgekehrt geboten, wenn es geknallt hat? Hier finden Sie Antworten.

Begriffe: Fahrerflucht, Unfallflucht & Co.


Um es vorwegzunehmen: Die Begriffe der Fahrerflucht bzw. der Unfallflucht haben die gleiche Bedeutung. Etwas gebräuchlicher dürfte im Volksmund die erstgenannte Bezeichnung sein. Gleichwohl haben wir uns entschieden, auf unserer Internet-Seite die Begriffe in einem gewissen Wechsel zu verwenden. Letztlich sind beides keine exakten rechtlichen Beschreibungen, denn Juristen sprechen - angelehnt an die maßgebliche Vorschrift des § 142 im Strafgesetzbuch (StGB) - etwas sperrig von "unerlaubtem Entfernen vom Unfallort".




Die gesetzliche Verbots-Vorschrift: § 142 StGB


In § 142 des Strafgesetzbuches (StGB) wird geregelt, was alles falsch gemacht und als Fahrerflucht gewertet werden kann, wenn es zu einem Unfall gekommen ist. Dort heißt es unter der Überschrift "Unerlaubtes Entfernen vom Unfallort" wie folgt: "(1) Ein Unfallbeteiligter, der sich nach einem Unfall im Straßenverkehr vom Unfallort entfernt, bevor er 1.zugunsten der anderen Unfallbeteiligten und der Geschädigten die Feststellung seiner Person, seines Fahrzeugs und der Art seiner Beteiligung durch seine Anwesenheit und durch die Angabe, daß er an dem Unfall beteiligt ist, ermöglicht hat oder 2.eine nach den Umständen angemessene Zeit gewartet hat, ohne daß jemand bereit war, die Feststellungen zu treffen, wird mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft. (2) Nach Absatz 1 wird auch ein Unfallbeteiligter bestraft, der sich 1.nach Ablauf der Wartefrist (Absatz 1 Nr. 2) oder 2.berechtigt oder entschuldigt vom Unfallort entfernt hat und die Feststellungen nicht unverzüglich nachträglich ermöglicht. (3) 1Der Verpflichtung, die Feststellungen nachträglich zu ermöglichen, genügt der Unfallbeteiligte, wenn er den Berechtigten (Absatz 1 Nr. 1) oder einer nahe gelegenen Polizeidienststelle mitteilt, daß er an dem Unfall beteiligt gewesen ist, und wenn er seine Anschrift, seinen Aufenthalt sowie das Kennzeichen und den Standort seines Fahrzeugs angibt und dieses zu unverzüglichen Feststellungen für eine ihm zumutbare Zeit zur Verfügung hält. 2Dies gilt nicht, wenn er durch sein Verhalten die Feststellungen absichtlich vereitelt. (4) Das Gericht mildert in den Fällen der Absätze 1 und 2 die Strafe (§ 49 Abs. 1) oder kann von Strafe nach diesen Vorschriften absehen, wenn der Unfallbeteiligte innerhalb von vierundzwanzig Stunden nach einem Unfall außerhalb des fließenden Verkehrs, der ausschließlich nicht bedeutenden Sachschaden zur Folge hat, freiwillig die Feststellungen nachträglich ermöglicht (Absatz 3). (5) Unfallbeteiligter ist jeder, dessen Verhalten nach den Umständen zur Verursachung des Unfalls beigetragen haben kann."




Was versteht man nun unter einer Fahrerflucht?


Aus dem Strafgesetzbuch ergibt sich, dass jeder, dessen Verhalten zur Verursachung eines Unfalls zumindest beigetragen haben kann (!), zunächst einmal vor Ort bleiben muss, um es dem oder der Geschädigten zu ermöglichen, die erforderlichen Feststellungen zu treffen, um anschließend eine Entschädigung geltend machen zu können (z.B. Notizen über das amtliche Kennzeichen und den Personalien des Verursachers). Ist der/die Geschädigte nicht vor Ort, so muss der Verursacher eine angemessen lange Zeit warten, um jemandem die besagten Feststellungen zu ermöglichen. Eine Fahrerflucht begeht somit, wer entweder den Ort, an dem er einen Schaden zumindest mitverursacht hat, sofort oder ohne zumutbare Wartezeit verlassen hat und damit der geschädigten Person die Möglichkeit genommen hat, die erforderliche Beweissicherung vorzunehmen und Schadensfeststellungen zu treffen.




Typische Fall-Gruppen der Fahrerflucht: Park-Rempler, Streif-Schäden u.a.


Natürlich kann es nach jedem denkbaren Unfallhergang dazu kommen, dass einer der Beteiligten "abhaut" und sich damit der Fahrerflucht schuldig macht. Gleichwohl zeigen sich in unserer anwaltlichen Praxis doch deutliche Häufungen bei den beiden nachfolgend dargestellten Konstellationen: 1.) Der Park-Rempler: Beim Ausparken auf einem Supermarkt-Parkplatz oder beim Einparken in einer Parkbucht wird ein anderes Fahrzeug touchiert. 2.) Der Streif-Schaden: Beim Vorbeifahren kommt es zum Spiegel-Kontakt des eigenen Fahrzeugs mit dem eines geparkten Fahrzeugs. Derartiges passiert - u.a. bedingt durch die immer breiter werdenden Fahrzeuge - nicht selten auch in Autobahn-Baustellen. 3.) Der Stau-Unfall: Im Stop-and-go-Verkehr liegen die Nerven manchmal blank und schnell kann es v.a. bei regem Fahrstreifenwechsel in der Hoffnung auf einen kleinen zeitlichen Vorteil dazu kommen, dass ein anderes Fahrzeug an einer Stoßfänger-Ecke "mitgenommen" wird.




Bewusste und unbewusste Fahrerflucht


Es gibt unterschiedliche Konstellationen, die zur Unfallflucht führen: Da gibt es Klienten, die gar nicht bemerkt haben, dass sie mit ihrem Fahrzeug andere Personen geschädigt haben. Es sind dann häufig Fragen nach der Wahrnehmbarkeit der Kollision zu klären, um etwaige Annahmen der Strafverfolgungsbehörden zu widerlegen, dass bloße Schutzbehauptungen vorgebracht wurden. Wieder andere haben zwar die Kollision bemerkt und sind auch bereit, dafür einzustehen - sie haben sich aber "im Abgang" nicht so verhalten, wie es der Gesetzgeber von Ihnen verlangt, und dadurch den § 142 StGB erfüllt (Stichwort: "Zettel an der Windschutzscheibe" / zu kurze Wartezeit). Hier gilt es, die redlichen, aber ungenügenden Bemühungen um einen Schadensausgleich in ein bestmögliches Licht zu rücken. Und schließlich gibt es jene, die ganz bewusst sich von der Unfallstelle entfernen - sei es, weil sie ihre Versicherung nicht belasten wollen, oder weil sie sich vor einer sonstigen Strafverfolgung fürchten, da sie ohne Fahrerlaubnis und/oder unter Einfluss von Alkohol, Drogen oder Medikamenten unterwegs waren. Werden sie gleichwohl eindeutig als Fahrer identifiziert, was durchaus nicht stets gelingt, geht es den anwaltlichen Verteidigern vor allem darum, ein tat- und schuldangemessenes Strafmaß zu bewirken und notwendigenfalls zugleich den Weg für die spätere Wiedererteilung der Fahrerlaubnis zu ebnen. So unterschiedlich die Ausgangssituationen sind, so unterschiedlich gehen wir auch in der Verteidigung unserer Mandanten damit um.