Beharrliche Irrtümer und  häufige Fehler rund um die Fahrerflucht

Fahrerflucht - Fehler und Irrtümer

Es ist allzu menschlich, dass Verkehrsteilnehmern trotz aller Sorgfalt eine kleine Unachtsamkeit unterlaufen kann, die sich zu einem Fremd-Schaden auswächst. Dafür hat man eine Versicherung. Das größere Problem entsteht meist erst, wenn man - entweder bewusst, häufig aber auch aus Unkenntnis - sich im Anschluss falsch verhält.

An dieser Stelle stellen wir die häufigsten tatsächlichen Fehler dar, die in einer Strafverfolgung münden, und räumen mit den gängigsten Irrtümern und Mythen auf. Zugleich zeigen wir, wie man sich nach einem Unfall richtig verhält.

"Ein Zettel mit meinen Daten an der Windschutzscheibe reicht" - nein!


Achtung und ein für allemal: Entgegen aller Unken-Rufe genügt es nicht (!!!), wenn man einen Schaden verursacht hat und den Eigentümer des anderen Fahrzeugs (oder auch einer angefahrenen Haus-Mauer etc.) hierüber informiert, indem man seine Kontaktdaten auf einem Stück Papier zusammenfasst und hinterlässt.




"Eine Viertelstunde zu warten genügt" - nein!


Mancherorts wird behauptet, man müsse nur eine Viertelstunde warten, ob der/die Geschädigte oder jemand anderes am Ort des Geschehens erscheint, um die Feststellungen zur eigenen Verantwortlichkeit als Verursacher zu treffen. Anschließend könne man sich getrost entfernen, nachdem man einen Zettel mit seinen Daten hinterlassen hat. Doch weit gefehlt: Der Gesetzgeber sieht vielmehr vor, dass man eine "nach den Umständen angemessene Zeit" gewartet haben muss, bevor man sich entfernen darf. Dies ist freilich eine sehr unbestimmte Angabe und genau das macht es schwierig. Sicherlich ist die zumutbare Wartezeit bei Tageslicht an belebter Stelle im Sommer länger einzustufen als sie es zu nächtlicher Zeit bei arktischen Tiefst-Temperaturen "weit ab vom Schuss" wäre. Wartezeiten von bis zu etwa einstündiger Dauer werden aber nicht selten als zumutbar angesehen.




"Wer lang genug gewartet hat, muss sonst nichts mehr machen" - nein!


Auch diese Meinung ist schlicht und einfach falsch! Im Gesetz heißt es vielmehr, dass derjenige, der vor Ort keinen feststellungsbereiten Geschädigten oder Dritten angetroffen hat und vergeblich eine nach den Umständen ausreichend lange Zeit auf eine solche Person gewartet hat, die erforderlichen Feststellungen unverzüglich nachträglich zu ermöglichen hat. Tut er dies nicht, ist dies wiederum als Fahrerflucht anzusehen.




"Wenn ich alles zugebe, kommt mir das zugute" - nein!


Sehr häufig kommt es erst deswegen zu strafrechtlichen Sanktionen, weil Beschuldigte sich gegenüber der Polizei äußern und einräumen, zur Unfallzeit am Steuer gesessen zu haben. Ohne derartige selbstbelastende Aussagen, zu denen niemand gezwungen werden kann, müssten viele Verfahren ohne Weiteres eingestellt werden. Deswegen gilt: Keinerlei (!) Aussagen gegenüber der Polizei machen, ohne zuvor mit einem fachkundigen und erfahrenen Anwalt gesprochen zu haben. Näheres dazu finden Sie hier.




Richtiges Verhalten nach einem Unfall - Vermeidung strafrechtlicher Probleme


Der Gesetzgeber schreibt in § 34 der Straßenverkehrsordnung klar vor, was zu tun ist, wenn es zu einer Kollision kam: (1) Nach einem Verkehrsunfall hat, wer daran beteiligt ist, 1. unverzüglich zu halten, 2. den Verkehr zu sichern und bei geringfügigem Schaden unverzüglich beiseite zu fahren, 3. sich über die Unfallfolgen zu vergewissern, 4. Verletzten zu helfen (§ 323c des Strafgesetzbuchs), 5. anderen am Unfallort anwesenden Beteiligten und Geschädigten a) anzugeben, dass man am Unfall beteiligt war und b) auf Verlangen den eigenen Namen und die eigene Anschrift anzugeben sowie den eigenen Führerschein und den Fahrzeugschein vorzuweisen und nach bestem Wissen Angaben über die Haftpflichtversicherung zu machen, 6.a) so lange am Unfallort zu bleiben, bis zugunsten der anderen Beteiligten und Geschädigten die Feststellung der Person, des Fahrzeugs und der Art der Beteiligung durch eigene Anwesenheit ermöglicht wurde oder b) eine nach den Umständen angemessene Zeit zu warten und am Unfallort den eigenen Namen und die eigene Anschrift zu hinterlassen, wenn niemand bereit war, die Feststellung zu treffen, 7. unverzüglich die Feststellungen nachträglich zu ermöglichen, wenn man sich berechtigt, entschuldigt oder nach Ablauf der Wartefrist (Nummer 6 Buchstabe b) vom Unfallort entfernt hat. Dazu ist mindestens den Berechtigten (Nummer 6 Buchstabe a) oder einer nahe gelegenen Polizeidienststelle mitzuteilen, dass man am Unfall beteiligt gewesen ist, und die eigene Anschrift, den Aufenthalt sowie das Kennzeichen und den Standort des beteiligten Fahrzeugs anzugeben und dieses zu unverzüglichen Feststellungen für eine zumutbare Zeit zur Verfügung zu halten. (2) Beteiligt an einem Verkehrsunfall ist jede Person, deren Verhalten nach den Umständen zum Unfall beigetragen haben kann. (3) Unfallspuren dürfen nicht beseitigt werden, bevor die notwendigen Feststellungen getroffen worden sind. Dem ist wenig hinzuzufügen. Wichtig ist noch Folgendes: Wer am Unfallort einem anderen seine Personen- und Fahrzeug-Daten mitteilt, sollte auch von jenem die Kontaktdaten fordern und verwahren, um notwendigenfalls nachträglich beweisen zu können, dass der Datenaustausch erfolgte. Ist niemand vor Ort bereit, die erforderlichen Feststellungen zu treffen, sollte tunlichst davon abgesehen werden, einfach nach einer bestimmten Zeit die Unfallstelle ohne weiteres zu verlassen, nachdem völlig unklar und von den Umständen des Einzelfalls abhängig ist, wie lange die "angemessene Zeit" ist. Vorzugswürdig ist stattdessen stets ein Anruf bei der Polizei. Dieser sind die konkreten Umstände des Unfalls und die maßgeblichen Daten telefonisch mitzuteilen, wenn keine Bereitschaft besteht, Beamte zur Unfallstelle zu entsenden. Lassen Sie sich unbedingt den Namen und Dienstgrad des Gesprächspartners mitteilen und notieren Sie sich diese. Wenn möglich sollte auch eine Telefonnummer und ein Aktenzeichen notiert werden. Wer ganz auf die sichere Seite gehen will, sollte von zuhause aus dann den Unfallhergang mit den maßgeblichen Daten nochmals zu Händen des Gesprächspartners schriftlich und mit Nachweis an die Polizei senden. Auf diese Weise ist auszuschließen, dass es zu strafrechtlichen Ermittlungen kommt und die Regulierung des verursachten Fremdschadens kann dann getrost der eigenen Kfz-Haftpflichtversicherung, die natürlich unverzüglich zu informieren ist, überlassen werden.