Fahrerflucht und weitere Straftaten

Fahrerflucht - kommt nicht immer alleine ...

Nicht immer bleibt es bei einer bloßen Unfallflucht. Gerade dann, wenn diese bewusst erfolgt, ist sie vielmehr häufig gepaart mit anderen, ebenfalls erfüllten Delikten aus dem Bereich des Straßenverkehrsrechts. Nachfolgend geben wir eine Übersicht dazu. 

Unfallflucht nach Konsum von Alkohol, Drogen oder Medikamenten


Besonders häufig kommt es zu Kollisionen dann, wenn der Fahrzeugführer zuvor alkoholhaltige Getränke, unter das Betäubungsmittelgesetz fallende Substanzen oder die Fahrtauglichkeit beeinträchtigende Medikamente konsumiert hat - im schlimmsten Fall Verschiedenes hiervon kombiniert. Dann ist nicht nur oftmals objektiv feststellbar, dass keine Fahrtauglichkeit mehr gegeben war, sondern auch dem Fahrer selbst klar, dass er "Mist gebaut" hat. Es stellt sich dann die Frage, was er tun soll - vor Ort bleiben, damit seinen Pflichten gerecht werden, aber wegen der Fahrt unter dem Einfluss der genannten Substanzen bestraft werden, oder aber abhauen, sich damit der Unfallflucht strafbar machen und darauf hoffen, dass diese nicht aufgedeckt werden kann? In einem solchen Dilemma entscheiden sich viele Menschen für die letztgenannte Variante und dementsprechend häufig sind auch in unserer Praxis Tatvorwürfe der Unfallflucht mit jenen der Trunkenheitsfahrt (§ 316 StGB) oder der Gefährdung des Straßenverkehrs (§ 315c StGB) gebündelt. In der Regel wird dann angenommen, dass jemand zunächst eine mindestens fahrlässige Straßenverkehrsgefährdung begangen hat, die im Zustand der Fahruntauglichkeit zu einem Unfall führte. Anschließend wird unerlaubtes Entfernen vom Unfallort vorgeworfen und weil der Fahrer auch bei dieser weiteren Fahrt immer noch fahruntauglich ist und dies spätestens durch die Kollision auch wahrgenommen hat, wird unterstellt, dass er dadurch zusätzlich vorsätzlich eine (diesmal meist in tatsächlicher Hinsicht folgenfreie) Trunkenheitsfahrt begangen hat. Die Rechtsfolgen, die dann drohen, liegen sowohl in der Hauptsache (Geld- oder Freiheitsstrafe) erheblich über jenen bei einer "einfachen" Unfallflucht und die Entziehung der Fahrerlaubnis droht in den meisten Fällen. Das Ziel der anwaltlichen Verteidigung ist dann vor allem eine Geringhaltung des Strafmaßes.




Unfallflucht und Fahren ohne Fahrerlaubnis bzw. während eines Fahrverbots


Ebenso, wie sich zahlreiche Verkehrsteilnehmer aus Furcht vor einer Strafverfolgung zur Unfallflucht entscheiden, wenn sie beschwipst oder benebelt (Alkohol / Drogen / Medikamente) gefahren sind und einen Unfall verursacht haben, schlagen andere diesen folgenschweren Weg ein, wenn sie ohne gültige Fahrerlaubnis gefahren sind. Gelingt ihr Vorhaben der Verdeckung aber nicht, so droht ihnen neben der Bestrafung wegen unerlaubten Entfernens vom Unfallort (§ 142 StGB) auch noch zusätzlich eine Strafschärfung wegen Fahrens ohne Fahrerlaubnis (§ 21 StVG). Das Gleiche gilt übrigens auch dann, wenn der Beschuldigte zwar an sich über eine Fahrerlaubnis verfügt, aber zum Zeitpunkt der Unfallfahrt (z.B. nach vorangegangener Geschwindigkeitsüberschreitung) gerade ein Fahrverbot"absitzt".




Unfallflucht und unterlassene Hilfeleistung


Kommt es anlässlich eines Unfalls zu einer nicht unerheblichen Verletzung eines anderen und flüchtet der Verursacher von der Unfallstelle, so kann ihm neben der Fahrerflucht unter Umständen auch unterlassene Hilfeleistung gemäß § 323c StGB angelastet werden.